Verarbeitetes (rotes) Fleisch und Gesundheit – Verbindung oder nicht Verbindung, dies ist hier die Frage

In ihrer Einleitung geht eine neue Arbeit darauf ein, dass rotes Fleisch in der Vergangenheit verbunden war mit verschiedenen Erkrankungen, sei es Diabetes oder andere chronische Erkrankungen [1].

Nun, wir wissen fast alle, eine Verbindung muss noch keine Ursache sein aber als Hypothesenbringer kann man observierende Studien schon nutzen, die dann im besten Fall überprüft werden in einem anderen Studiendesign (kontrollierter). Aber es muss auch kein Freispruch sein.

Unter 500 g rotes Fleisch sollten es pro Woche sein, so einige Empfehlungen, wenn man ihnen glauben will. Ein interessanter Punkt ist, denn sie hier angeben, dass einige Reviews vorschlagen, Fleisch zu unterscheiden. Rotes Fleisch, welches verarbeitet (Salz/Nitrate/Pökelsalz #Natriumnitrit) ist und rotes Fleisch, welches es nicht ist [2][3]. Bevor wir uns wieder Arbeit [1] widmen, habe ich kurz einen Blick in Arbeit [2] geworfen und noch ein paar interessante Punkte gefunden.

Man arbeitet oft nicht genau auch die Subtypen an Fleisch heraus, wenn man Personengruppen beobachtet. Fleisch unterscheidet sich im Punkt Kalorien, Eisengehalt, Fette, Konservierungsstoffe, etc.

Es gibt auch verschiedene Zubereitungsmethoden, die den Gesundheitseffekt ausmachen ,,könnten‘‘, was aber wohl wenig studiert wurde bisher.

Rotes Fleisch bedeutet in der Regel dann Rindfleisch, z.T. Schweinefleisch, Lamm. Ob rot oder nicht, jedes Fleisch kann ja verarbeitet sein. Auch stehen dort einige ,,mögliche‘‘ Mechanismen drin, ausgelöst durch Inhaltsstoffe oder Zubereitung. Jeder Mechanismus scheint für sich logisch, so die Arbeit aber observierende Studien haben auch Schwächen:

►,,In observational studies, residual confounding due to imprecisely measured or unmeasured confounders can never be fully excluded‘‘

►,,greater meat consumption is associated with less favorable lifestyle and dietary behaviors, including for example less physical activity, increased smoking, increased total energy (consistent with higher BMI), and lower fruit, vegetable, dietary fiber, whole grains and fish intake, and higher alcohol and trans fat intake [15, 16•, 17•, 18•, 22, 23].‘‘

So ist mehr Fleisch oft verbunden mit einem Lifestyle, der nicht gesund ist, was Ergebnisse beeinflusst (körperliche Aktivität, das Rauchen, höherer BMI und mehr Kalorien, weniger Obst und Gemüse, weniger Ballaststoffe, weniger Vollkorn, weniger Fisch und mehr Alkohol und Transfette. Ist es also das Fleisch, welches ungesund ist oder das Weglassen von gesunden Sachen plus Lifestyle, wie auch Gewicht und wir treiben die falsche Sau durch das Dorf?
Zurück zur Hauptarbeit!

O’Connor et al fasste randomisierte, kontrollierte Studien zusammen in einer Meta-Analyse und sah keine kausale Verbindung zwischen täglich rotem Fleisch und Marker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Gesundheitsmarker [4]. Bleiben wir auch kurz bei dieser Arbeit von O´Connor. Hier kommt man zum Ergebnis:

►,,The results from this systematically searched meta-analysis of RCTs support the idea that the consumption of ≥0.5 servings of total red meat/d does not influence blood lipids and lipoproteins or blood pressures‘‘

►,,These results do not support our hypothesis, which was based on a 2012 observational cohort study that estimated that the consumption of 0.5 servings of total red meat/d would increase CVD mortality (5).”

Eine bestimmte Menge an rotem Fleisch und dies täglich, hatte keinen Einfluss auf Blutfette, Lipoproteine und Blutdruck. Auch sah man hier keinen protektiven Vorteil für mehr Fleisch, was man auch anmerken kann.

►,,The highest category of red meat consumption (.3 servings of red meat/d) showed no negative
effects on blood lipid and lipoprotein concentrations and blood pressures and resulted in higher HDL concentrations.‘‘

Die höchste Kategorie für Fleischkonsum, rotes Fleisch (3 Servings, wenn ich richtig liege dann sind das 3 x 35 g =105 g/täglich) waren ohne Effekt auf Blutlipide, Lipoproteinkonzentration, Blutdruck und resultiert in eine höhere Konzentration an HDL. Hier ging es nicht um observierende Studien und das wird auch erwähnt, was wichtig wäre für die Studieneinordnung der Wertigkeit. Diese Ergebnisse sprechen eine andere Sprache als Ergebnisse aus Beobachtungsstudien.

►,,These results are inconsistent with much of the observational evidence related to red meat consumption and CVD, which prompts the need for future research to reconcile the apparent disconnect between RCT and observation-based conclusions.‘‘

Wieder zurück zur Hauptarbeit, welche hunderte Personen befragte zu ihrem Essverhalten plus Blutmarker. Hier kommt wieder ein interessanter Punkt, denn sie erwähnen, die nächste Meta-Analyse [5]. Die Verbindung von rotem Fleisch mit Markern für Diabetes wurde geschwächt, wenn man Ergebnisse für BMI anpasste. Auch ist mehr Fleisch oft mit einem bestimmten westlichen Ernährungsstyle verbunden. Nun untersucht die neue Arbeit das Ernährungsverhalten. Es fand sich keine Verbindung zwischen beobachtetem Konsum von verarbeitetem Fleisch und Biomarkern in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes (Typ-2) in der Kohorte, was sich an einige Analysen anschließt (siehe oben).

Mehr Fleisch war auch verbunden mit einem unvorteilhafteren Lifestyle und unvorteilhafterer Ernährung, was man beachten solle in der Bewertung.

Ein wichtiger Satz ist, dass man die allgemeine Ernährungsqualität beachten sollte (vielleicht auch wichtig für die PURE-Studie, die ja bei mehr Carbs negative Effekt sah) und nicht nur ein Lebensmittel, wenn Gesundheit messen will.

Zukünftige Empfehlungen sollten die ganze Ernährung betrachten, wenn man sich die widersprüchlichen Ergebnisse anschaut in Bezug auf verarbeitetes Fleisch und Risiken.

Auch solle man eine globale Definition angeben für ,,verarbeitet‘‘.

Wer noch eine wirklich ausführliche Arbeit zu rotem Fleisch sucht, der sollte die Arbeit von Dr. Alexander Ströhle/Dr. Maike Wolters/Dr. Andreas Hahn lesen mit dem Namen ,,Rotes Fleisch – vom gehaltvollen Nährstofflieferanten zum kanzerogenen Agens?‘‘. Ich werde hier einige Infos zusamenfassen:

►Es gibt keine verbindliche Definition für ,,rotes‘‘ oder ,,weißes‘‘ Fleisch. Rot bedeutet aber oft ungekocht eine rote Färbung (Rind, Lam, Schwein) durch einen hohen Gehalt an eisenhaltigen Häms. Weiß sehen wir eher Geflügel, vielleicht Fisch und z.T. Schweinefleisch

►Verarbeitung bezieht sich auf das Pökeln, Räuchern, Salzen, was man oft in Wurst und Speck sieht

►In dieser Analyse kommt man zum Ergebnis, dass es wenig Hinweise gibt, dass 300 bis 600 g Fleisch die Woche (naturbelassen und rot) das Risiko für koronare Herzerkrankungen erhöht, wenn man auch genug Obst, Vollkorn, Gemüse, Fisch und Milchprodukte aufnimmt (klingt nach mediterran)

►Sie sehen interessante Aspekte in der Auswertung der EPIC-Studie, welche zeigte u.a., dass der Verzehr von rotem Fleisch (bis 129 g täglich) eher nur dann verbunden war mit einem erhöhten KRK-Risiko, wenn die Ballaststoffe unter 28 g lagen bei den Männern oder unter 26 bei Frauen

►Zubereitung kann einen Einfluss haben auf Gesundheit, so heißt es hier, dass gegrilltes und auch scharf angebratenes Fleisch problematisch ,,scheinen”

►Interessant: Wer (rotes) Fleisch weglässt, so diese Arbeit, senkt nicht unbedingt das kolorektale Krebsrisiko. Vegetarier zeigten kein geringeres Risiko für Darmkrebs und Mastdarmkrebs

►Interessant: Laut EPIC-Studie hatte wer das niedrigste Sterblichkeitsrisiko? Nicht die mit dem geringsten Konsum an rotem Fleisch

Ich will hier nicht sämtliches Fleisch freisprechen, nur scheint es doch ein Fragezeichen zu geben, ob Aussagen zu der Wirkung von (rotem) Fleisch in Bezug auf unsere Gesundheit so stimmen, wie wir sie oft hören. Welche Dosis? Welche Co-Faktoren? Was wurde durch Fleisch ersetzt? Direkter oder indirekte Mechanismus? Studiendesign?

Für ein kleines und weiteres Fragezeichen sorgt die Arbeit ,,Meat intake and cause-specific mortality: a pooled analysis of Asian prospective cohort studies‘‘, die sogar rotes Fleisch mit geringerem Risiko verbindet? Ja, auch hier wieder nur so eine Verbindung. Auch hier Design beachten aber zeigt doch, wie uneinig man sich ist oder uneindeutig.

Vergessen wir auch nicht einen möglichen evolutionären Vorteil von Fleisch. Mit dem Werkzeug kam auch mehr tierische Nahrung auf unseren Speiseplan [6].

Wie Fleisch auf die Gesundheit wirken soll, dazu gibt es viele Hypothesen [6], ob durch Salz, Fette, Nitrosamine, TMAO, Eisengehalt, Neu5Gc etc. Schauen wir, was noch kommt.

Und vergessen wir nicht, was Fleisch alles beinhaltet an Mineralien/Vitaminen und Antioxidantien, ich sag nur die drei Cs, wie Creatin, Carnosin, Carnitin. Wir haben eine optimale Proteinquelle, ein paar Fette, viel Wasser und ein wenig Carbs.

Oft sagt uns eine Person: ,,Fleisch macht krank!”. Die einfachste Frage wäre hier ein ,,Warum und wie ist der Mechanismus?” und ,,welches Studiendesign?” und ,,wie sah der Lifestyle aus?”. Alleine wenig Bewegung, mehr Gewicht und wenig Ballaststoffe können schon das Krebsrisiko beeinflussen [7].

Machen wir darauf aufmerksam, dass Fleisch und viel Gemüse sich nicht ausschließen müssen. Erst kürzliche zeigte eine Arbeit ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs unter 600 bis 800 Gemüse und Obst täglich [8]. Obst und Gemüse enthält Ballaststoffe, Vitamine, Antioxidantien, sek. Pflanzenstoffe, Kalium, etc. Glucosinolate in Cruciferen-Gemüse (Kreuzblütler: Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl) aktivierten entgiftende Enzyme.

[1] Processed red meat contribution to dietary patterns and the associated cardio-metabolic outcomes. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28831958
[2] Unprocessed red and processed meats and risk of coronary artery disease and type 2 diabetes–an updated review of the evidence. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23001745
[3] Red meat consumption and risk of type 2 diabetes: 3 cohorts of US adults and an updated meta-analysishttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3173026/
[4] Total red meat intake of ≥0.5 servings/d does not negatively influence cardiovascular disease risk factors: a systemically searched meta-analysis of randomized controlled trials. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27881394
[5] Consumption of meat is associated with higher fasting glucose and insulin concentrations regardless of glucose and insulin genetic risk scores: a meta-analysis of 50,345 Caucasians. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26354543
[6] Human risk of diseases associated with red meat intake: Analysis of current theories and proposed role for metabolic incorporation of a non-human sialic acid http://www.sciencedirect.com/…/article/pii/S0098299716300401
[7]Diet and colorectal cancer.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25619144
[8]Fruit Fruit and vegetable intake and the risk of cardiovascular disease, total cancer and all-cause mortality–a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies
https://academic.oup.com/ije/article/3039477/

 

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