Keto (kaum Kohlenhydrate und fettbetont) gegen Krebs? Experte Chad Macias und sein Kollege haben eine interessante Arbeit dazu veröffentlicht.

Krebs ist ein so komplexes Thema, das man es sich nicht zu einfach machen kann. Alle möglichen Dinge sollen Krebs verhindern oder positiv wirken, wenn man erkrankt ist. Darunter finden wir in den Medien oft Berichte über die Wirkung einer ketogenen Ernährung. 1/3 können wir vielleicht präventiv beeinflussen (Risiko), da der Rest an Fehlern in der DNA-Replikation liegt (nicht wirklich beeinflussbar). Was sagen Experten nun zu Keto bei Krebs?

Kurzes Vorwissen aus zwei anderen Arbeiten (Warburg Effect or Reverse Warburg Effect? A Review of Cancer Metabolism und Cancer cell metabolism: Warburg and beyond):
Krebszellen unterscheiden sich von normalen Zellen, da sie z.B. mehr Energie brauchen für ihr Wachstum und Duplikation. 1920 beobachtete Warburg dann, dass Krebszellen ihre Energie (ATP) wohl gerne durch einen Prozess mit dem Namen der Glykolyse (Verwertung von Glukose/Zucker) bekommen, auch, wenn Sauerstoff vorhanden ist, wird hier Laktat gebildet > Warburg Effekt.

Kurzversion:
Viele Krebszellen zeigen eine erhöhte Glukoseaufnahme und Glykolyse und erhöhte Laktatsekretion, obwohl Sauerstoff erhältlich (machen Energie aus Glukose ohne Sauerstoff).

Und genau hier kommen die ganzen Konzepte zur Heilung und sagen, ah, Zucker braucht die böse Zelle. Streichen wir den doch einfach. Die ketogene Ernährung ist arm an Kohlenhydraten.

Und nun zur neuen Arbeit:

-einige Studien zeigen einen möglichen therapeutischen ,,Benefit‘‘ im Tierversuch, besonders bei einem Hirntumor (Glioblastom oder auch Glioblastoma multiforme)
-auch bei Pankreaskrebs zeigen mechanistische Studien (nicht direkt am Menschen hier), dass Ketonkörper Tumorwachstum verringern und auch auf den Zelltod der Krebszelle wirken können
-es gibt leider auch Daten, dass Ketonkörper das Tumorwachstum fördern könnten
-Humanversuch an Patienten: Nicht einheitliche Ergebnisse und nur wenig Daten leider bisher und in der Methodik sehen die Autoren auch Probleme (wenige Personen pro Studie, keine Placebo-Gruppen, Interventionslänge, Follow-Up, Nahrungszusammensetzung, Wahl der Standardbehandlung, Krebsart-/Stufe, Messtechniken.
-auch kann es wohl eher einige Nebenwirkungen mit einer Keto-Ernährung geben (siehe Bild), die öfter auftreten Vs. anderen ,,low-calorie-diets‘‘
-zwischen 1988 und 2014 wurden 14 Studien veröffentlicht, die den Keto-Effekt an Patienten bewertet und alle Studien zusammen zeigen eine ,,sample size‘‘ von 206 Personen
-Daten, die für Keto sprechen (cancer-inhibiting) stammen oft aus Fallbeschreibungen (Case Reports)
-klinische Studien und Pilotstudien sind anscheinend weniger schlüssig
-Studie (12 Personen mit verschiedenen und fortgeschrittenen Krebsarten): 6 konnten nicht weitermachen nach 4 Wochen, da Krankheitsprogression. Eine Person hat nicht weitergemacht nach 8 Wochen, da Gewichtsverlust und eine weitere Person konnte nicht fortfahren, da Krankheitsprogression. 3 konnten 16 Wochen hier abschließen. Zwei davon starben (Wochen 40 und 80) und 1 Person war krankheitsfrei nach 131 Wochen (Melanom)
-oft fehlen interessante Messungen von Biomarkern (z.B. Insulin, Leptin, IDH1) und Enzymen (ketolytic and/or glycolytic enzymes), was eine wirkliche Schlussfolgerung schwerer macht
-es gibt auch den ,,reverse Warburg effect‘‘ (mehr dazu von Dr. Michael P. Lisanti), bei dem die Krebszelle das Bindegewebe in der Nähe nutzt, um an sein Benzin zu kommen. Krebs-assoziierte Fibroblasten (Zellen in Bindegewebe) werden durch den Tumor manipuliert. Diese produzieren dann Laktat und Ketone und über Transporter (monocarboxylate transporters) shuttlen diese Zellen dann z.B. Laktat in die Krebszelle. Klingt irgendwie nach einem Ausschnitt aus einem Horrorfilm, wenn Zellen andere Zellen anzapfen, damit diese ihren Treibstoff bilden und liefern
-experimentell konnte man beobachten, dass manche Krebsarten eine Vorliebe für Fettsäuren und Ketone haben (wäre ja viel da bei Keto) als Substrat für die Tumorentwicklung
-viele Dinge wissen wir einfach noch nicht genau
-Keto kann an einem gewissen Zeitpunkt begleitend vielleicht Einsatz finden aber eine weitgestreute Verwendung für Patienten wäre zu früh

Auf weitere Signalwege in Bezug auf Keto geht man hier nicht ein. Wer Interesse am Thema hat, sollte Chad Macias eine Freundschaftsanfrage senden, denn er postet und diskutiert zum Thema.

Quelle: Assessing the Role of the Ketogenic Diet as a Metabolic Therapy in Cancer: Is it Evidence -Based?https://www.researchgate.net/publication/317415645_Assessing_the_Role_of_the_Ketogenic_Diet_as_a_Metabolic_Therapy_in_Cancer_Is_it_Evidence_Based

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